Alles begann im Oktober 2017. Zusammen mit seinem Sohn Erik besuchte Christof Sahm für 3 Tage die Sperrzone von Tschernobyl.
Es war der Versuch, zu begreifen, was hier am 26.04.1986 geschehen ist. Dank einer deutschsprachigen Reiseführerin, die über ein ausgeprägtes geschichtliches Wissen über die Sperrzone verfügte, wurden die 3 Tage zu einer Erfahrung, die alles verändern sollte. Übernachtet wurde in einer kleinen Stadt namens Slavutych, eine Stunde Bahnreise von Tschernobyl entfernt. Slavutych, so erklärte die Reiseführerin, wurde in nur 13 Monaten nach der Katastrophe erbaut, um den Einwohner der evakuierten Stadt Prypjat eine neue Heimat zu geben. Slavutych wurde so zu „Prypjat II“, wie die Einwohner es nennen. Viele der Einwohner waren im Jahr 1986 bei der Liquidation der Havarie eingesetzt – die berühmten „Liquidatoren“. Viele von ihnen leiden bis heute unter den typischen Spätfolgen der Strahlenbelastung, der sie während ihrer gefährlichen Arbeit am Reaktor ausgesetzt waren. Allerdings ist die medizinische Versorgung alles andere als optimal.
Das Erlebte ließ die beiden Besucher nicht mehr los. Mit der Reiseführerin entwickelte sich eine enge Freundschaft. Es folgten mehrere gegenseitige Besuche, so auch im März 2018 in Kiew. Hier kam zum ersten Mal die Idee auf, den Liquidatoren zu helfen.
Im September 2018 erfolgte dann der 2. Besuch in der Sperrzone. Während des Besuchs ergab sich die Gelegenheit, mit einem Liquidatorenehepaar zu sprechen, die „ihre“ Geschichte erzählten. Ab diesem Zeitpunkt stand die Entscheidung fest, ein ernsthaftes Hilfsprojekt zur Unterstützung der Polyklinik Slavutych zu gründen.
Im November 2018 erfolgte eine Einladung in die Ukrainische Botschaft nach Berlin, wo dem Projekt jegliche erdenkliche Unterstützung zugesagt wurde – ein Umstand, der sich ein Jahr später noch als sehr nützlich erweisen sollte.
Im Laufe der Zeit erfuhr eine Freundin der Familie, die Wetzlarerin Marika Weymann, durch Erzählungen von dem Projekt. Sie war sofort bereit, wo es geht zu unterstützen. Frau Weymann verfügte aufgrund ihrer Berufstätigkeit als Krankenschwester über hervorragende Kontakte zu umliegenden Kliniken und schnell kamen etliche Sachspenden zusammen – darunter auch 4 Defibrillatoren. Die Verbringung in die Ukraine stellte sich aber als problematischer dar, als gedacht. Die behördlichen Hürden waren enorm. So lagerten dann die Hilfsgüter erst mal einige Monate ein, während nach einer Lösung gesucht wurde. Diese Lösung kam unerwartet Ende 2019. (WeiterArtikel „Erste Hilfslieferung“).
