Vereinsgründung und Kriegsbeginn

Direkt nach der Rückkehr nach Wetzlar erfolgte die Vereinsgründung. Die Freistellung des Finanzamtes ließ allerdings auf sich warten. Freundlicherweise bot uns das Hilfswerk des Lions-Club Wetzlar-Solms an, Spenden über deren Konto abwickeln zu dürfen.

Erste Spenden gingen auf dem Konto des Hilfswerk Lions ein und die Vorbereitungen für erste finanzielle Hilfen liefen. Mittlerweile wurde auch ein gebrauchtes Ultraschallgerät beschafft.

Wir standen in ständigem Kontakt mit Frau Melnychuk in der Klinik Slavutych.

Am 23.02.2022 mehrten Sich die Anzeichen für einen Angriff Russlands auf die Ukraine. Stundenlang wurden Nachrichten über verschiedene Messengerdienste mit Slavutych ausgetauscht. Die Sorge dort war groß, dass russische Truppen über die nur wenige Km entfernte Grenze aus Belarus in die Stadt einmarschieren könnten.

Um 5:34 Uhr morgens meldete sich der Messenger Viber mit seinem unverwechselbaren, durchdringenden Benachrichtigungston. Viber ist ein Dienst ähnlich Whatsapp, mit dem man in seiner Heimatsprache schreiben und in Echtzeit in eine andere Sprache übersetzen kann. Die Knappe Nachricht aus Slavutych: „Die Offensive hat begonnen. Wir können Explosionen hören. Betet für uns!“

Wenige Tage später war Slavutych von russischen Truppen umstellt. Ein Verlassen der Stadt war nicht mehr möglich. Nachdem die russischen Truppen in die Stadt eingedrungen waren, entfürhten Sie Bürgermeister Formichev, besetzten sie die Klinik und erzwangen mit Waffengewalt die Behandlung verwundeter Soldaten. Nach deren Behandlung verließen sie die Klinik wieder – ihre Toten ließen sie zurück. Da die Toten keinerlei Papiere oder sonstige Identifikationsmerkmale bei sich trugen, wurden sie in einem Massengrab im Wald beigesetzt.

Zu diesem Zeitpunkt gingen wir davon aus, dass unser geplantes Projekt hiermit auf sehr lange Zeit -wenn nicht sogar für immer- nicht mehr realisierbar wäre.

Aber wieder einmal sollte der Zufall helfen:

Der Notar, der unsere Vereinseintragung abgewickelt hatte, meldete sich. Ein Rechtsanwalt aus seiner Kanzlei, der Kanzlei Ruhmann-Peters-Altmeyer in Wetzlar, sei gebürtiger Ukrainer und er hätte ihm von unserem Verein erzählt. Falls wir irgendwelche Hilfe – gleich welcher Art – benötigen würden, sollen wir nicht zögern, ihn zu kontaktieren.

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